Warum eigentlich nicht?

Ich hatte ja geschrieben, daß ich ab morgen ehrenamtlich am 2 Tagen in einem Kinder- und Jugendzentrum arbeiten werde. Zumindest solange, bis ich wieder einen Job habe. Mir ist diese Aufgabe wichtig und habe eine Ahnung davon bekommen, wie wichtig sie für die Kinder ist. Ich habe selbst welche...

Meine "neuen " Kinder kommen in der Regel aus "Problemfamilien" in einem "Problemviertel" der Stadt. Aus beengten, häuslichen Verhältnissen, mit schlechten Ernährungsgewohnheiten und häufig keinem oder mangelhaftem "Pausenbrot". Zudem haben sie meistens keine Aufsichtsperson, wenn sie nach Hause kommen und niemanden, der sie bei ihren Schulaufgaben unterstützt.

In der Einrichtung kümmern sich zur Zeit 2 angestellte Frauen um die Kinder zwischen 8 und 12 Jahren. Einmal wöchentlich gibt es einen "Kochkurs" für die Mädchen, die unter der Anleitung zweier älterer Damen für die ganze Gruppe kochen. Die Lebensmittel dazu sind Spenden.

Jetzt bin ich hier ja "erst" seit rund 2 Monaten im Blog. In der Zeit habe ich ein wenig über die "Onlinegewohnheiten" gelernt. Viele schreiben ihr persönliches Schicksal auf. Sie erfahren Zuspruch, Unterstützung vielfältiger Art und tauschen sich mit Freunden und Fremden aus. Trotzdem ist alles virtuell.

Ich habe mir in den letzten Tagen öfter die Frage gestellt, was wäre, wenn jeder meiner Leser hier nur 2 Stunden wöchentlich Onlinezeit "abzweigt" und diese Zeit in andere Menschen "real" investieren würde.

Denn so, wie uns hier das Aufschreiben durch die Reflektion hilft, würde es anderen auch helfen. Nur hat nicht jeder die Möglichkeit dazu. So, wie ich hier die Blogs Anderer lese, könnte ich auch 2 Stunden Anderen zuhören.

Die Kinder, die ich ab morgen unterstützen werde, haben keine Möglichkeiten Blogs zu schreiben. Sie haben weder PCs, noch sind sie fähig, ihre Erlebnisse, Sorgen und Nöte in Worte zu fassen. Mit wem sollten sie es geübt haben?

So, wie ich jetzt 2x 2 Stunden in der Woche mit Hauptschulabgängern Bewerbungstrainings mache, so kann JEDER hier auch eine ganz kleine Zeit investieren, die für Kinder und Jugendliche eine wegweisende Zeit bedeuten kann.

Ich würde mich unheimlich freuen, wenn sich nur EINE/R hier fände, der/die inspiriert ist und ebenfalls 2 Stunden in der Woche in Kinder/Jugendliche investiert.

Bitte, schreibt mir eure Gedanken dazu. Und natürlich erst recht, wenn Du etwas unternimmst!

Euer "So isses"

18.1.09 14:50

bisher 7 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Nordstrahl / Website (18.1.09 15:04)
Im Training hatte ich mit Kindern aus Problemfamilien zu tun. In manchen Gruppen waren sie in der Übermacht.
Mit meiner mütterlicher Art kam ich bei Ihnen nicht an, ich erreicht sie nicht. Sie steckten voller Aggressionen - vielleicht aus den festgefahrenen Elternhäusern mitgenommen - und so waren sie ständig auf der Suche nach Reibereihen, bei denen sie sich abgreagieren konnten.

Wenn ich nicht weiter wußte, machte ich mit Ihnen Armdrücken ;-).

Doch immer wieder stellte ich das selbe fest. Sie prüften meine Ehrlichkeit ihnen gegenüber auf ihre Weise und zwar, in dem sie mich maßlos enttäuschen. Wenn ich dann noch zu ihnen hielt, war das Eis gebrochen und sie wußten, dass meine Zuwendung ihnen gegenüber nicht geheuchelt war.

Ich drücke dir die Daumen und "zieh dich warm an" - je mehr sie dich mögen, je mehr werden sie dich testen.

In dem Sinne wünsche ich dir einen guten Start in neue Leben

Gruß Nordstrahl


subbie (18.1.09 21:41)
mal provokant hinterfragt..

ist das eine gewissensberuhigung oder nur beschäftigung in der arbeitslosigkeit.

wenn du wieder in lohn und brot stehst..was dann? machst du das dann auch noch.

ich habe lange gefangenenbegleitung gemacht. jetzt tierschutz.

2 stunden...das sind nichts...

gruß
dat subbie


sweety / Website (18.1.09 22:09)
ich finde toll was du machst!!

kinder - und vorallem welche aus familien mit wenig sozialem rückhalt brauchen solche leute!!

ich bin ehrenamtliche betreuerin in einer kindervereinigung in meiner stadt - im ferinelager hatten wir einige kinder dabei aus soöchen problemfamilie --- es war toll zu sehen wie sie die ferien genossen haben (die für diese kinder komplett über spenden finaziert worden sind)
kindern - egal wo sie herkommen soziales rückhalöt zu geben finde ích sehr wichtig und toll wenn sich dafür immer wiederleute finden!!

@subbie - aber 2 stunden sind 2 stunden mehr als nichts!!!


So isses (19.1.09 09:07)
Hallo Subbie!
Danke für deinen "provokanten" Eintrag bei mir! Ich empfinde das überhaupt nicht so provokant :-)
Während der Arbeitslosigkeit muss man zwangsweise seine Lebensgewohnheiten umstellen. Viele nutzen die Zeit für ihr vernachlässigtes Hobby, andere lassen sich gehen und versinken im Selbstmitleid und wieder andere versuchen die "freie" Zeit zu nutzen.
Da ich zur Zeit keinen Job in Aussicht habe, fällt es mir schwer einzuschätzen, wieviel Zeit ich dann zur Verfügung hätte. Ich kann auch noch nicht abschätzen, wie ich mit den Kindern im Kinder- und Jugendzentrum klarkomme. Daher kann ich deine Frage hierzu nicht beantworten. Werde aber berichten, wie es sich dann verhält.
Eine "Gewissensberuhigung" setzt voraus, daß ich etwas beruhigen müsste. Offen gesagt, mir fallen täglich Sachen ein, die ich besser machen könnte im Umgang mit meinen Mitmenschen. Und es gibt vieles, daß ich gemeinsam mit anderen verbessern könnte, wenn ich meinen Hinter dafür hoch bekäme. Ja, ich mache es, weil ich denke, daß ich zuwenig für andere mache. Aber, ist das ein unlauteres Motiv? Und, geht es uns nicht insgeheim ständig so, daß wir gerne etwas unterstützen würden, uns aber oft die eigene Trägheit daran hindert?


Otherian / Website (19.1.09 16:22)
Kinderbetreuung... hm, ein komisches Thema zu dem ich eigentlich nicht viel sagen kann, einfach aus dem grund, dass ich wohl selber noch zu den "Kindern" gehöre, auch wenn ich schon in einem etwas weiterem Stadium davon bin ^^ ...

Zu dem "2 Stunden hier abzweigen und lieber jemandem anderem zuhören" möchte ich allerdings noch loswerden, dass es wohl leichter gesagt als getan ist. Da wäre nämlich auch erstmal die große Hürde mit dem finden von Personen, die "zuhörbedürftig" sind und sich öffnen wollen. Sowas geht übers Internet leichter, über persöhnlichen Kontakt sehr schwer. Viele Leute schätzen eben gerade die Distanz des Internets als "Schutz" sich öffnen zu können ohne evt. ausgelacht oder ähnliches zu werden... Leute die so reden, so offen sich geben, wie hier im Internet (es gibt auch das Gegenteil, aber egal ~~) findet man wohl nicht wirklich in der Welt... naja, wie auch immer ^^

Ich habe dich übrigens mal zu meinen Freunden hinzugefügt und deinen Blogg zu den Abo's hinzugefügt
In dem Sinne: Auf gute Blognachbarschaft


subbie (19.1.09 17:23)
unlauteres motiv habe ich nicht unterstellt. doch habe ich zu viele menschen in ehrenämtern kennengelernt, die nur ihr eigenes ego damit putzen wollten – daher mein einwand.
ich denke, dass du jetzt so richtig zeit für frau und kinder hast. dieses ist nicht zu unterschätzen und eine bereicherung, wenn es nicht so lange dauert, dass die finanziellen probleme die beziehung belasten. so als kleiner seitehieb wenn du mehr für dein mitmenschen tun möchtest..grins
aber das war wohl nicht das ausgangsthema.( ich finde es schwierig in einem blog zu diskutieren. wo schreibe ich die antworten hin..bei mir..bei dir..) wenn jeder 2 stunden erübrigen würde hat er eine netto zeit von knapp 1 stunde. was kann ich in einer stunde denn reißen? oft geht es bei solchen projekten um kontinuität der personen. gerade in deinen ausgesuchten projekten sind betreuerwechsel eher schädlich, da vertrauen aufgebaut werden muss. das schafft man nicht mal eben in 5 minuten. kinder wissen sehr schnell, wer es ehrlich meint.
ich gehöre eher zu der fraktion… wenn man sich nicht persönlich einbringen mag – gerne – dann her mit eurem geld…dann kann man wenigstens sagen..ich habe ein patenkind in afrika…
wir du siehst gehöre ich eher der skeptikerfamilie an. magst du mir mal erklären warum du mir vor ein paar tagen *die blogfreundschaft* angeboten hast?
dat subbie


Rainer / Website (19.1.09 21:31)
tauschen sich mit Freunden und Fremden aus. Trotzdem ist alles virtuell.
--
Es ist virtuell. Virtuell kann man offener oder spontaner sein.
Meine online Erfahrungen sind jetzt 5 Jahre alt und manchmal habe ich das Gefühl, virtuell mehr über Menschen erfahren zu haben und vielleicht sogar geholfen zu haben.

Würde gerne mehr erzählen. Aber das würde diesen Rahmen sprengen

Lg

Rainer

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