'Wir fahren nach Berlin!'

Gestern abend bin ich aus Berlin zurückgekommen. Am Dienstag hatte ich dort mein "Finalinterview" von meiner Bewerbung. Es sollte mir und meinem potentiellen neuen Arbeitgeber die Möglichkeit geben, nochmal genau hinzuschauen, ob das eine Wunschehe werden würde.

Die Voraussetzungen für ein erfolgreich verlaufendes Gespräch waren denkbar schlecht. Mich hatte die Bronchitis, die zur Zeit halb Bayern lahmlegt, erwischt und das in einem Ausmaß, wie ich es selten erlebt habe. Neben einem permanenten Hustenreiz mit andauernden Hustenanfällen und den üblichen Kopf- und Gliederschmerzen, habe ich den halben Sonntag und den ganzen Montag im Bett verbracht. Ich bin nur einmal aufgestanden um zum Arzt zu gehen. Dem schilderte ich meine Situation und er verschrieb mir ein codeinhaltiges Präparat für die Nacht.

Abends nahm ich die angegebene Dosis und widerstand der Versuchung, die doppelte Dosis für "akute Erkrankungen" zu nehmen. Nach einer halben Stunde wurden mir ein wenig die Knie weich und der Mund trocken. Da beschloss ich, mich ins Bett zu legen. Kaum lag ich, schlief ich auch ein, wachte jedoch schon eine halbe Stunde später auf, weil ich das Gefühl hatte, meine Atmung hätte ausgesetzt...

Ich fühlte mich schwummrig und bereute schon die Einnahme des Medikaments. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Wegen der anhaltenden Hustenanfälle konnte ich sowieso nicht schlafen. Dann bekam ich Schüttelfrost. Ich wurde wirklich davon "durchgeschüttelt". Das hatte ich so auch noch nie erlebt. Als das nach einer Stunde begann abzuklingen, fingen dafür mein Herz an unregelmäßig zu schlagen. Ich hatte regelrechte Herzrhytmusstörungen. Dann kam Fieber und Migräne dazu.

Ich bin wirklich sehr selten krank und nehme außerordentlich selten ein Medikament ein. Aber soetwas hatte ich noch nie erlebt. Und das in der Nacht vor meinem wohl entscheidenden Vorstellungsgespräch. Meine Frau bedrängte mich, ich solle den Termin absagen und um eine Verschiebung bitten. Aber Ihr wisst ja, wie Männer sind...

Etwa um 4:15 Uhr waren alle Symptome soweit abgeklungen, daß ich etwas Schlaf fand. Die Nacht war jedoch schon um 6:00 Uhr wieder vorbei. Im Radio brachten sie Meldungen über starke Schneefälle und Verkehrsbehinderungen. Ich schaute aus dem Fenster und sah etwa 25 cm Neuschnee liegen. Also noch leicht fiebrig in die Klamotten und Schnee schaufeln. Wir haben etwa 20 Meter Bürgersteig...

Meine Frau hatte heute ihren zweiten Arbeitstag und die Kinder waren beide derart krank, daß sie nicht in die Schule gehen konnten. Wir entschieden uns, notgedrungen, sie alleine zu Hause zu lassen. Eine Nachbarin wusste bescheid und würde nach ihnen schauen und war für die Kids telefonisch erreichbar.

Mein ICE fuhr pünktlich Richtung Berlin ab und ich gratulierte mir selbst zu der Entscheidung, mir mal ein Ticket der 1. Klasse gegönnt zu haben. Der Zug sollte um 13:00 in Berlin sein und mein Gespräch war um 15:00. Schon hinter Nürnberg standen wir wegen der heftigen Schneefälle auf freier Strecke. Aber zwei Stunden Puffer sollten doch reichen, oder? Auf halber Strecke lag die Verspätung bereits bei 40 Minuten. Ich begegnete meiner wachsenden Nervosität mit dem Studium von Unterlagen des Unternehmens, bei dem ich mich vorstelle. Auf meinem Laptop hatte ich etwa 40 Dateien von deren Homepage heruntergeladen.

In Berlin blieb es bei den 40 verspäteten Minuten. Ich aß etwas zu Mittag und zog mich dann um. Meine Sachen schloß ich im Bahnhof in ein Schließfach ein und ging zum Bus. Der fuhr mir jedoch gerade vor der Nase weg, da ich an der falschen Haltestelle stand. Kurzentschlossen nahm ich ein Taxi, das mich 9.-€ gekostet hat, aber wesentlich zur Beruhigung meiner Nerven beitrug. So kam ich pünktlich an.

Meine Gesprächspartner waren zu viert. Zunächst die Dame von der Personalberatungsfirma, die ich ja schon kannte. Ebenso kannte ich meinen eventuell neuen Vorgesetzten. Neu im Spiel war dessen Chef und eine Dame von der Personalabteilung. Ich sollte nochmal einen kurzen Abriß meiner beruflichen Laufbahn geben und dann bekam ich Fragen gestellt und bekam Gelegenheit, meine Fragen zu stellen. Ich war gut vorbereitet und mein Fragenkatalog umfasste mehr als eine DIN A4 Seite.

Ich erfrug unter anderem die bisher erzielten Umsätze der Zielgruppe, die ich dann zu verantworten hätte, von 2008 und die Ziele für dieses und die nächsten Jahre. Meine Anmerkung, daß ich mich bei diesen Zielen finanziell in den nächsten 3 Jahren nicht tragen würde, gefiel den Anwesenden offenbar sehr, denn das brachte mein "Unternehmerisches Denken und Handeln" zum Ausdruck.

Mein Eindruck nach den 1:45 Stunden war, daß ich mich gut geschlagen habe. Insbesondere der "Chef vom Chef" war offenbar von mir angetan. Zum Schluß erfuhr ich auf Nachfrage, daß außer mir auch noch zwei weitere Kandidaten im Rennen sind. Ende nächster Woche bekomme ich dann die abschließende Nachricht.

Im Jahr 2005 hatte ich den Berlin-Marathon in einer persönlichen Bestzeit absolviert. Nun hoffe ich, daß ich diesmal wieder in Berlin einen "Marathon" erfolgreich beende. Denn diese Bewerbung war in der Tat ein Marathon!

So, jetzt mache ich mir eine Kanne Tee und lege ich mich wieder ins Bett. Schließlich muss ich ja wenigstens in den "Närrischen Tagen" fit sein

Vielen Dank für die vielen lieben Wünsche hier und in den Mails! Das hat mich zusätzlich motiviert und ich finde das wirklich ganz toll, daß Ihr so an mich denkt!!!

19.2.09 09:24

bisher 5 Kommentar(e)     TrackBack-URL


strickistracki / Website (19.2.09 10:56)
netasseteerübereich....

hört sich doch gar nicht so schlecht an


zillie / Website (19.2.09 16:13)
Oha... das hört sich aber wirklich nach einem Marathon an... Ich hoffe sehr, dass es nun auch zu einem guten Ende kommen wird... würde mich sehr freuen für Dich... allerdings auch ein bisschen leid tun für Deine Kiddies..
Ja, ich glaube, im Moment ist irgendwie das ganze Land krank.. und wer's noch nicht ist, der steckt sich bestimmt noch an. Hier gibt's schon Einrichtungen, in denen sich das Gesundheitsamt eingeschaltet hat wegen der hohen Krankheitsrate. Mich hat's diesmal auch nicht verschont, obwohl ich da sonst nichts von annehme.. , aber Du weißt ja, wie Frauen sind... keine Zeit zum Jammern ; ))
Was Du in meinem Blog geschrieben hast, ist wirklich ein ganz großes Problem.. und ich fürchte, damit stehen wir noch am Anfang.. Die soziale Vernachlässigung bei eigentlich fehlender Überlastung der Betreuungspersonen ist eine neue Dimension... Und die Probleme, mit denen die Kinder in der Schule auftauchen, müssten eigentlich erst bei den Eltern gelöst werden... wo soll das bloß hinführen...? Und dann kann man sich nicht mal auf die Stellen verlassen, die genau dort ihre Aufgaben haben...

Irgendwie ist mir bei meiner Fortbildung da auch so ein Gedanke gekommen... Wir werden dort zunehmend für außerunterrichtliche Einwirkungen geschult... Förderung .. nicht nur in lerntechnischer Hinsicht, sondern in hohem Maße auch in allgemeinen Erziehungszielen, Sozialkompetenzen.. Verhalten... --- sicherlich notwendig und sinnvoll... aber kommt es nicht auch einer Kapitulation gleich? Wo bleiben die traditionellen Bildungsansprüche? Irgendwas bleibt doch dabei auch auf der Strecke..

Fakt ist, ... mit dem bestehenden personellen Rahmen können wir die Qualität nicht halten... und die Zeit ist noch nicht reif, dass wir mehr Geld für unsere Kinder zu zahlen bereit sind..
Keine gute Zeit ein Kind zu sein...


Lisa / Website (19.2.09 19:26)
Gute Besserung


Christian / Website (20.2.09 03:35)
Ich drück dir weiterhin ganz fest die Daumen!!!

Und wenn du den Job in Berlin hast, laufen wir im September 2009 den Schorfheide Marathon (im Nordosten Berlins) zusammen, okay? Ist ein wunderbarer Landschaftsmarathon, so richtig was zum Genießen...


she. / Website (20.2.09 15:25)
Ich hab das Video noch nie gesehen, aber der Song is toll.
lg ♥

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